Donnerstag, 4. Februar 2010

Vom arabischen Markt zur Bohème


Frühstück war bei unserem Hotel nicht dabei. Ist auch besser so, dachten wir, als wir dann den Frühstücksraum gesehen hatten und machten uns daher auf den Weg um bei den Nachbarsbäckern das Beste abzustauben. Wenn man selbst einmal beruflich mit vorgebackenen Teiglingen gearbeitet hat, ist man in der Lage zu erkennen, wer noch selber backt und wer eben nur aufbackt.





Dann ging es um die Ecke zum Gare du Nord um kurz abzuchecken ob wir dort morgen unser Gepäck zwischenlagern können. Wir können. In der Nähe des Bahnhofes wird die U-Bahn zur Hochbahn ähnlich wie bei und in Berlin in der Bülowatraße oder Schönhauser Allee. Der Platz unter der Hochbahn wird jedoch in Berlin hauptsächlich den Tauben überlassen, hier in Paris fanden wir dort einen riesigen, nicht enden wollenden orientalischen Basar.




Ein altes Buch über Kaffeehäuser führte uns zu Fuß weiter raus aus der Stadt. Die Geschäfte wurden zunehmend arabischer, die Hautfarben der Menschen dunkler. Hier sollte das Cafe "La petite Renaisance" sein. Wir traten ein und orderten zwei Kaffee. Der Besitzer war sehr freundlich aber offensichtlich von zwei "weißen" Touristen ziemlich überrascht. Jugendstil in Reinform und vor allem 100% original. Zwar viel kleiner, aber wesentlich authentischer als der berühmte Milchladen Pfund in Dresden, wo die Touristenbusse Stoßstange an Stoßstange kleben. Wir haben uns vorgestellt, was der arme Wirt machen würde, wenn plötzlich auch nur 'ein' Touristenbus vor der Tür stände.





Unser Besuch bei der angeblich besten Eisdiele in Paris stand ja noch aus - deshalb machten wir uns auf den Weg zur Isle de France. Vorbei am Centre Pompideau und den feinen Boutiquen und Kunsthandlungen in Saint Germain.




Das Eis bei Berthillon war gut, aber keine Offenbarung. Es wird so gar nicht präsentiert, kommt aus einer Tiefkühltruhe in der kleinere verschmierte Container stehen. Man bekommt winzige Kugeln für einen - für deutsche Verhältnisse - sehr hohen Preis. Den Zuckerkaramell für ihr berühmtes "Caramel au Beurre Salé" hatten sie wirklich selbst gemacht, das konnte man schmecken. Das Himbeersorbet enthielt weder fremde Farb- noch Aromastoffe, sondern war mit einem gehörigen Schuss Rosenblütenwasser angemacht.




Viel zu schnell ist der Tag vergangen und es wird Zeit für das Abendbrot. Vor 10 Jahren hatten wir hier in Paris in der Nähe des Republique einmal sehr gut in einem winzigen Restauant gegessen. Damals hatten wir die Visitenkarte aufgehoben: "Le bistro des Oies" hiess der Laden. - Ob es den wohl noch gibt? Es gab ihn noch und auch nach zehn Jahren mehr als ausgezeichnet. Nach dem Dreigang Menü für 23 Euro pro Kopf gingen wir befriedigt zum Hotel zurück. (Ihr kennt den Spruch: Essen ist der Sex des Alters) Adresse: 2 Rue Marie et Louise, 75010 Paris.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen