Städte

Samstag, 26. Dezember 2009

Der Sabbat naht

 

Heute morgen sollte es zum Hafen von Tel Aviv gehen. Dort hat sich seit ein paar Jahren ein großer Öko- Lebensmittelmarkt etabliert. Der Hafen Tel Aviv liegt gar nicht so weit von unserem Hotel. Wir wählten als Weg nach Norden wieder einmal eine der großen Magistralen, die Ben Yehuda Str.

Schon nach den ersten 100 Metern beschlossen wir nun Häuser zu sammeln (natürlich als Fotos). Wir setzen hier einmal unkommentiert ein paar Beispiele und Detailaufnahmen ein.

 

Diashow_Bauhaus_1

Diashow_Bauhaus_2

Diashow_Bauhaus_3

Diashow_Bauhaus_4

Diashow_Bauhaus_5


Diashow_Bauhaus_6

Diashow_Bauhaus_7



Diashow_Bauhaus_8

Diashow_Bauhaus_9

 

Am Hafen angekommen erwartete uns ein buntes Treiben. Viele junge Familien mit ihren Kindern frühstückten auf den zahlreichen Sonnenterassen der Cafés. Schiffe suchte man vergeblich. Der alte Industriehafen von Tel Aviv ist mittlerweile zu einer Art Vergnügungspark umgebaut worden. Ähnliches kannten wir ja schon aus New York, Kapstadt und Boston. Trotzdem konnten wir bei brennender Sonne ein paar idyllische Fotos machen.


Udo_am_alten_Hafen_Tel_Aviv
 

Der Ökomarkt selbst kam nicht so gut bei uns weg - viel kleiner und uninteressanter als z. Bsp. der am Union Square in NY.

Zurück ging es dann die zweite Magistrale, die Dizengoff Str. entlang (der erste Bürgermeister dieser Stadt). Trotz der obligatorischen Cappuccini und Kuchen unterwegs bekamen wir auch langsam Hunger. Am Ende der Dizengoff Str. befindet sich das Dizengoff Center, die größte Shoppingmall hier. Doch statt Schlecker, Starbucks, Kookai, H&M usw., fanden wir hier heute eine riesige improvisierte Garküche vor, in der wirklich alle Tel Aviv typischen, orientalischen und nicht orientalischen Speisen angeboten wurden. Für uns recht praktisch, da wir direkt auf die Töpfe zeigen und so bestellen konnten.

 

Essen_vorm_Sabbat_im_Dizengoff_Center

 

Das gab es dann wohlfeil in einem Plastikteller. Wir verzogen uns damit in ein Eckchen der Mall und ließen es uns schmecken. Echte Hausmannskost - prima.

Mit Einbruch der Dunkelheit verwandelte sich die Stadt plötzlich. Herrschte eben noch reges Treiben, so schlossen plötzlich alle Läden und immer weniger Menschen waren in den Straßen zu sehen. Ach ja - Sabbat - wir hatten davon gehört. Aber jetzt schon, am Freitag?

Unser Freund Wikipedia klärte uns darüber auf, daß der Sabbat vom Freitag Sonnenuntergang bis Samstag Sonnenuntergang dauert. Als wir durch die menschenleere Stadt schlenderten und in unserem Hotel ankamen, war selbst die Drehtür außer Betrieb genommen worden. Den Fahrstuhl durften wir jedoch benutzen. Die Sabbat Gesetze und deren legales Umgehen scheint hier eine Wissenschaft für sich zu sein. Gespannt darauf ob es morgen früh etwas warmen Kaffee geben wird (Feuer machen ist am Sabbat verboten ebenso wie die Benutzung von Maschinen), begaben wir uns ins Bett.

 

Udo_vorm_Haasen


Freitag, 25. Dezember 2009

Jaffa

 

Udo_guckt_aufs_Mittelmeer 
 
Heute morgen hieß es recht früh aufstehen. Bereits um 9 Uhr 30, so hatten wir gelesen, sollte eine öffentliche Führung durch die Altstadt von Jaffa stattfinden. Jaffa ist die Siedlung, die es bereits weit vor Tel Aviv gab, die aber schon seit 1950 eingemeindet wurde.

Wir nahmen uns ein Taxi zum Treffpunkt: Clocktower (Taxifahren ist hier recht preiswert, hingegen liegen die übrigen Preise etwas über dem Berliner Niveau). Natürlich waren wir mal wieder überpünktlich und verkürzten uns die Zeit mit einem Kaffe in der Morgensonne. Um 9 Uhr 30 tauchte jedoch weder ein Tourist- Guide noch ein Tourist am Clocktower auf. Also ging es auf eigene Faust los. Kein Problem, denn Donnerstags ist halb Jaffa ein Trödelmarkt. 

 

Troedelmarkt_in_Jaffa
 
Die Gegend hier ist eigentlich ziemlich heruntergekommen und ärmlich, jedoch scheint man gerade das ganze Elend mit riesigen Baggern umzugraben. Das Ergebnis konnten wir später feststellen, als wir zur Peterskirche hinaufstiegen.
 

Erstmal_entspannen_erstmal_Picon

 

Hier hatte das Tourimusministerium ganze Arbeit geleistet und ein zweites Positano errichtet. Überall kleine Boutiquen und sogenannte Künstlerhäuser im historisierenden Design. Das alte Jaffa war uns einfach zu neu und blitzblank, es fehlten nur noch die Horden knipsender Japaner. Auch der alte Hafen von Jaffa wird gerade zu einer Fishermans Wharf umgestyled.

 

renovierte_Altstadt_von_Jaffa

 

Man wird jedoch von der Realität ziemlich schnell wieder eingeholt, wenn man, wie wir, zu Fuß zurück nach Tel Aviv läuft. Vorbei ging es an einer wunderschönen alten Kinoruine (Alhambra) und außerdem - wen wundert's - erregte ein altes Bauhausgebäude unser Interesse. Es befindet sich in der Resh Galuta Str. 8 in Jaffa und sein Architekt war (wie wir später in unserem neu erworbenen Bauhausbuch nachschlugen) Ahmed Damiaty, der das Gebäude 1936 geplant hatte.

 

Alhambra_Kino_Jaffa

Resh_Galuta_Str_8_in_Jaffa


Als wir den ersten Mac Donalds erreichten waren wir wieder in der Jetztzeit angekommen.

 

Mac_Doof

 

Einer der schönsten und größten Straßen in Tel Aviv ist der Rothschild Boulevard, hier trafen wir in der Abenddämmerung ein. Der Boulevard ist das Zentrum der sogenannten "White City", hier stehen einige der wichtigsten Bauhaus - Gebäude.

 

Bauhaus_am_Rothschild_Boulevard

 

Trotz Blähgefahr gab es heute für uns Falafel, und zwar dort, wo wir schon ein paar Mal heftigen Kundenansturm beobachtet hatten. Der kleine Laden befindet sich in der Frishman Str. Ecke Ben Yehuda, leider haben wir den Namen nicht mehr parat und eine Website gibt es auch nicht. Da Wiederholungsgefahr besteht holen wir das ggf. nach.

 

 

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Marsch durchs Bauhaus

Wie Ihr ja schon wisst, befindet sich unser Hotel direkt an der Küste. Die Straße, die hier von Nord nach Süd verläuft, ist die Hayarkon Str.. Fast parallel, östlich davon, verlaufen die Ben Yehuda Str., die dann später in die Allenby Str. übergeht, und dann die Dizengoff Str..

Das sind wir heute abmarschiert. Alle drei Straßen sind Hauptverkehrsstraßen mit vielen Geschäften, Restaurants, Cafés und Kneipen. Schnell kamen wir nicht voran, denn die Gebäude rechts und links sind einfach zu schön und wollen alle fotografiert werden. Bauhaus und Art Deco in den abenteuerlichsten Formen und Erhaltungszuständen. Selten herrlich renoviert, manchmal ziemlich verfallen und öfters bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
 

 
alt_und_neu_dicht_beieinander
 
Trotzdem, für jemanden, der aus einer kriegszerstörten Stadt (Berlin) kommt, ein gigantischer Anblick. Zwischen den frühen 30ern und dem 2 ten Weltkrieg kamen 100.000 neue Einwohner nach Tel Aviv und es wurden in der Zeit ca. 4000 Gebäude errichtet. Unter den Immigranten waren zahlreiche Architekten des Bauhauses, die hier ihre Ideen verwirklichen konnten. Für Interessierte hier die Website des Bauhaus Center Tel Aviv: http://www.bauhaus-center.com

Zwischendurch tranken wir hier und da einen Cappuccino oder erfrischten uns an einem der zahlreichen Frischsaftkioske. Übrigens: Der Nieselregen hat aufgehört und das Thermometer zeigt 20 Grad bei Sonnenschein.

 

Fruchtsaftkiosk


Gestern im Dunkeln hatten wir ein Fotogeschäft entdeckt, das es bereits seit 1945 an dieser Stelle gibt. Der Besitzer war so etwas wie ein Chronist des Aufbaus der Stadt Tel Aviv. Sein Erbe verkauft jetzt unter anderem Abzüge dieses riesigen Fotoarchives. Wir wälzten Alben mit Kontaktabzügen und suchten uns ein Motiv aus. Freitag soll das Bild fertig sein.

Gleich um die Ecke erstreckt sich der Obst-, Lebensmittel- und Kramwarenmarkt. Hier - aber auch nur hier - bemerkt man, daß man sich im Orient befindet. Der Winterfeldtmarkt in Berlin mag mediterran sein, ist aber angesichts dieses Basars kaum erwähnenswert. Die Leute sind auch hier alle sehr nett und freundlich. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man, wie viele andere Touristen auch, jedem seine Kamera ins Gesicht hält. Selbst ein paar deutsche Worte bekommt man freundlich zurück - das hätten wir in Israel nicht erwartet.

orientalische_Gewuerze


Lecker_Fladenbrot_ganz_frisch


 

Den Sonnenuntergang genossen wir, während wir am Strand wieder in Richtung Norden liefen. Zum Abschluß des Tages gab es dann einen Super Homemade Burger. Wir dachten 300 Gramm wären für Fleischfresser ideal, na wenn wir uns da mal nicht getäuscht haben.
 
Erfrischung_zwischendurch


Erstmal_entspannen


Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ankunft im heiligen Land

wohin zu Weihnachten - wenn man Weihnachten nicht will?

Natürlich direkt in die Höhle des Löwens, dachten wir uns, und checkten am 22sten Dezember gen Tel Aviv ein.

Während bei uns die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt waren, sah es vier Stunden später schon viel freundlicher aus. Zwar ein wenig Nieselregen aber Temperaturen um die 20 Grad - Plus, versteht sich.

 

Flughafen_Ben_Gurion 
 
Wir hatten natürlich wieder einmal den Ehrgeiz "nicht" mit dem nächstbesten Taxi zum Hotel zu fahren, sondern wollten uns lieber den Weg durch den Großstadtdschungel mit Bus und Bahn erkämpfen. Gar nicht so einfach wenn man nicht im Stande ist ein einziges Wort zu lesen.

Am Fernbahnsteig trafen wir auf ein Pärchen aus Berlin, daß auch keinen blassen Schimmer hatte, aber das Abenteuer mit uns zusammen wagen wollte. Die meisten Hotels in Tel Aviv liegen in Strandnähe, deshalb hatten wir ungefähr die gleiche Richtung. In die Stadt kamen wir so recht schnell. Von dort, so hatten uns viele nette Eingeborene erzählt, sollten wir den Bus Nr. 4 nehmen. Doch von wo fährt das verdammte Ding ab - und vor allem: in welche Richtung? Die Hilfsbereitschaft der Leute war einfach toll - ein Busfahrer, in dessen Wagen wir einfach eingestiegen waren, brachte uns dann netterweise zur richtigen Haltestelle.

Unser Hotel hat Meerblick (wenn man den Kopf weit aus dem Fenster steckt und nach rechts dreht). Wir befinden uns auch in sehr illustrer Umgebung. Auf der einen Seite Sheraton und Crowne Plaza, auf der anderen Seite Hilton. Trotzdem sieht es hier am Meer etwas aus wie bei den Bettenburgen auf Malle.

 

Hotels_am_Strand

 

Später entdeckten wir auch dieses kleine schnuckelige Hostel - aber soviel Abenteuer soll es nun auch nicht sein. Im gleichen Haus ist übrigens das Fotogeschäft vom bekannten TelAviv - Chronisten Rudi Weissenstein, das aktuell von seiner Frau Miriam weitergeführt wird.

 

Nettes_Hostel_mit_beruehmten_Fotogeschaeft

 

Obwohl es inzwischen dunkel ist machen wir unseren ersten Spaziergang durch die Straßen und sind überwältigt von der Art Deco und Bauhaus Architektur. Genau diesen Weg müssen wir morgen unbedingt noch einmal im Hellen gehen.
 
Bauhaus_everywhere